So hatte beim Stadtfest alles begonnen …

Als im Ergebnis der Kommunalwahlen am 6.5.1990 ein frei gewählter Stadtrat mit einer neuen Verwaltungsführung das „Regiment“ in Schmalkalden übernahm, galt es, eine Vielzahl weitreichender Entscheidungen zu treffen. Dabei war jene über die Art und Weise eines jährlichen Stadtfestes keinesfalls die wichtigste, aber in ihrer Bedeutung für die Bürgerinnen und Bürger Schmalkaldens eine Herzensangelegenheit.

In einer Beratung des Bürgermeisters Herbert Johannes mit Dezernenten Mitte 1990 wurde andiskutiert, in welcher Form Schmalkalden künftig sein Stadtfest feiert. Seit 1978 gab es hier alle 4 Jahre das Folklorefestival der DDR und dazwischen das Bezirksfolklorefestival - so dass alle zwei Jahre auf dem Festplatz ein mehrtägiges Volksfest stattfand.

Den Beratenden war klar, dass ein Fest dieses Umfangs unter den nunmehrigen Bedingungen nicht zu realisieren und finanziell durch die Stadt allein nicht zu tragen war. So erhielt Peter Handy, 1. Beigeordneter und zuvor langjähriger Mitarbeiter des Museums Schloss Wilhelmsburg, den Auftrag, aus den reichen Traditionen der Stadt ein geeignetes Fest heraus zu finden. Es sollte alle Voraussetzungen besitzen, von den Einheimischen gut angenommen zu werden. Eine ganz wesentliche Bedingung war die Verlegung des Festes vom Festplatz in die Altstadt - mit der Veranstaltungsachse von dort zum Schloss Wilhelmsburg. Damit würde alles an historischer Authentizität gewinnen und die Sanierung des Stadtkerns befördert.

Es boten sich mehrere Möglichkeiten, denn in Schmalkalden wurde bis in die 2. Hälfte des 19. Jh. gerne und viel gefeiert. Am Ende kam es in kleiner Runde von Bürgermeister Herbert Johannes, Stellvertreter Peter Handy, Hauptamtsleiter Dieter Thormann, Kulturamtsleiter Roland Günther und Hans-Werner Remde, Leiter des Ensembles der Werkzeugmacher im VEB Werkzeugkombinat Schmalkalden zur Entscheidung: Einmütig legten sich die Beteiligten auf das Hirschessen in Verbindung mit dem Bartholomäusmarkt fest.

Das Hirschessen geht auf das Jahr 1379 zurück, als die Henneberger Grafen ihrer Stadt Schmalkalden einen Hirsch aus den umliegenden Wäldern spendeten. Es war eine Gabe, die sich dann jährlich wiederholte. Auch der zweite Landesherr, Landgraf von Hessen, gab seinen Hirsch dazu - er wollte keinesfalls gegenüber seinem Henneberger Rivalen zurückstehen. So hatten die Schmalkalder ihren Grund für ein neues Fest - über mehrere Tage, mit üppigen Gelagen, Theateraufführungen, Tänzen und Gauklern auf dem Markt und der Burg Waltaff.

Der Bartholomäusmarkt gehörte zu den traditionellen Jahrmarkttagen, die auch Anlässe für Volksfeste boten. Er war zeitlich an den Namenstag des Heiligen Bartholomäus, den 24. August, gebunden.

So fand 1991 das erste Stadtfest - Hirschessen und Bartholomäusmarkt - statt. Es wurde sofort zum Erfolg. Roland Günther konnte sich als Verantwortlicher der Veranstaltung auf die fachliche und organisatorische Hilfe des Mitarbeiters der Stadtverwaltung Recklinghausen, Achim Ermert, stützen. Die Partnerstadt begleitete das Stadtfest über Jahre. Heute, 25 Jahre danach, ist es aus dem gesellschaftlichen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken.

 

Peter Handy, Juni 2016